» Stadtrat Erfurt » Stadtentwicklung und Umwelt » Stadtrat vom 20.03.2019 #1450 i1540: Billigung der Rahmenplanung für den Ortsteil Schmira (SCH014)

i1540: Billigung der Rahmenplanung für den Ortsteil Schmira (SCH014)



Abgelehnt (1. Platz)

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0Nein0%Nein

Drucksache 2297/18

eingereicht von: Oberbürgermeister

Beschlussvorschlag

Die städtebauliche Rahmenplanung für den Ortsteil Schmira (SCH014) in der Fassung vom 09.01.2019 (Anlagen 2 und 3) wird als Arbeitsgrundlage für die Verwaltung gebilligt.

Anlagenverzeichnis

Die Anlagen liegen im Bereich OB und den Fraktionen zur Einsichtnahme aus.

Sachverhalt

Ausgangssituation/ Anlass der Planung:

Bereits 1994 wurde durch ein Planungsbüro eine städtebauliche Rahmenplanung für die Entwicklung des Ortsteils Schmira erarbeitet. Im Ergebnis dieser städtebaulichen Rahmenplanung schlugen die Verfasser zusätzliche Siedlungsflächen im Umfang von ca. 90 ha (Bruttobauland inclusive aller Grün- und Ausgleichsflächen) als Erweiterungsflächen für Schmira vor. Die Erarbeitung der Bebauungspläne für den Ortsteil Schmira wurde zum damaligen Zeitpunkt nur in einem sehr geringen Umfang fortgeführt.

Mit dem bereits vorliegenden Antrag auf Einleitung eines Bauleitplanverfahrens für die Entwicklung von Wohnungsbauflächen im Bereich der Straße Am Knotenberg gibt es für Schmira einen Interessenten, der das Ziel verfolgt, in Schmira Wohnungsbau zu entwickeln.

Daher ist es vor der Aufstellung eines Bebauungsplanes für Einzelvorhaben zunächst erforderlich, ein übergeordnetes Entwicklungskonzept für den Ortsteil Schmira zu erarbeiten, das eine Prüfung und Bewertung der möglichen Entwicklungspotentiale für einzelne Teilflächen beinhaltet.

Planungsziele und Inhalt der Planung:

Der Ortsteil Schmira liegt an der Entwicklungsachse für die Erweiterung der Stadt nach Westen, die Entwicklung von Wohnnutzungen im Ortsteil Schmira ist grundsätzlich Ziel der Planung und entspricht der Grundkonzeption des wirksamen Flächennutzungsplans (FNP) der Stadt Erfurt sowie der Zielstellung des ISEK Erfurt 2030.

Unter Berücksichtigung der real vorhandenen Nutzungsverhältnisse sowie der planerischen Prämissen gibt die Rahmenplanung ein neues Leitbild vor, dabei werden folgende Punkte berücksichtigt:

  • Für die Erweiterung Schmiras erfolgt die Herausbildung klar ablesbarer Quartierseinheiten, die sich soweit als möglich an der topographischen Situation orientieren. Die Topographie Schmiras mit Hangneigungen bis zu 14 % und die vorhandenen Gewässer (Eselsgraben, Bettelseegraben) bestimmen wesentlich das Orts und Landschaftsbild und die künftige bauliche Entwicklung des Ortes.
  • Die Identität und die Qualitäten des Ortskerns Schmira werden dabei soweit als möglich gewahrt. Die Aspekte des Orts- und Landschaftsbildes und die wichtigen Sichtbeziehungen zur Innenstadt / Dom / Severikirche, wurden berücksichtigt.
  • In Abhängigkeit von der zu erwartenden Einwohnerzahl sind Flächen für den Gemeinbedarf zu vorzuhalten.
  • Die Entwicklung von Grünstrukturen erfolgt unter Berücksichtigung der bestehenden Ansätze.
  • Schmira liegt entsprechend des aktuellen Klimagutachtens in der Klimaschutzzone I und II, daraus ergeben sich Restriktionen für mögliche Bauflächen.
  • Innerhalb des Untersuchungsgebietes befinden sich mehrere Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, und ein geschütztes Biotop, die planerisch Berücksichtigung fanden.
  • Die Immissionen, verursacht durch die Landwirtschaft sind zu berücksichtigen.
  • Relevante Lärmquellen sind die Eisenacher Straße, der Landwirtschaftsbetrieb und die beiden Sportplätze in Schmira.
  • Die Entwicklung der Stadt nach Westen soll mit einem gleichzeitigen Ausbau der Stadtbahn einhergehen und schafft durch die Errichtung von Wohngebieten in Innenstadtnähe mit hervorragender Anbindung an den ÖPNV die Voraussetzung für den Erhalt einer Stadt der kurzen Wege trotz gleichzeitiger Erweiterung der Bauflächen.
  • Die Wendeschleife der Stadtbahn sollte zwar „vorzugsweise“ im Ortszentrum angeordnet werden. Wenn sich der hochbauliche Schwerpunkt im Nordwesten ergibt, dann könnte sich auch eine Verlängerung bis westlich der Ortslage als wirtschaftlich darstellbar erweisen.
  • Schmira ist entwässerungstechnisch im Misch- und Trennsystem erschlossen. Die Erweiterung der Ortslage ist ausschließlich im Trennsystem zu erschließen. Dabei darf eine Bebauung nicht über dem Höhenkamm und nicht an den Tiefpunkten erfolgen. Die Regenwasserableitung wird nur mit Rückhaltemaßnahmen im Baugebiet möglich sein. Die Brauchwassernutzung, Versickerung und Verdunstung gewinnt dadurch einen höheren Stellenwert vor der Ableitung des Regenwassers.

Innerhalb des Untersuchungsgebietes befinden sich mehrere planfestgestellte Ausgleichs-/ Ersatzmaßnahmen, der Geschützte Landschaftsbestandteil "Alte Lehmgrube bei Schmira" sowie nach §18 ThürNatG gesetzlich geschützte Streuobstwiesen, die planerisch Berücksichtigung finden.

Für die Feldflur von Schmira und insbesondere auch für die aktuellen Entwicklungsgebiete "Am Knotenberg" und "Schmira Nord" bestehen Nachweise von Feldhamstern (streng geschützt nach Anhang IV der RL 92/42/EWG). Die Realisierbarkeit der benannten Bauvorhaben ist somit an die Schaffung entsprechender Ersatzlebensräume für Feldhamster geknüpft (derzeit geschätzt auf 6 Hektar).

Die Umsetzung der Baumaßnahmen lässt umfangreiche Neuversiegelungen erwarten, welche auszugleichen sind. Vorbehaltlich der Flächenverfügbarkeit sind mögliche Ausgleichsmaßnahmen der Rückbau der Stallanlagen Schmira am nördlichen Ortsrand sowie die Entwicklung eines Grünzuges entlang der innerörtlichen Baugebietsgrenzen.

Fazit:
Im Ergebnis der planerischen Untersuchung kann für Schmira eine Entwicklung von ca. 21 ha Fläche nördlich und westlich des Ortskernes als verträglich eingeschätzt werden. Gemäß den zugrunde gelegten Flächenansätzen kann damit in den Baugebieten „Schmira Nord“ und „Am Knotenberg“ Wohnraum für schätzungsweise 1.100 neue Einwohner entstehen.

Auf Grundlage der städtebaulichen Rahmenplanung sind die entsprechenden Bebauungspläne in Schmira aufzustellen. Dem Stadtrat wird empfohlen, die Planung als Arbeitsgrundlage für die Verwaltung zu beschließen.

Nachhaltigkeitscontrolling und Demographisches Controlling:

Gegenstand der Vorlage ist eine Rahmenplanung für Ortsteil Schmira Im Rahmen der
Erarbeitung der Planung sind sowohl die umweltrelevanten Belange als auch die Belange der
Bevölkerungsentwicklung zu ermitteln, zu wichten und abzuwägen. Das
Nachhaltigkeitscontrolling und demographische Controlling ist somit integraler Bestandteil
der Rahmenplanung und erfolgt nicht gesondert.

Keine Verbesserungsvorschläge