» Stadtrat Erfurt » Bau und Verkehr » Stadtrat vom 07.03.2018 #1259 i1348: Neugestaltung des Petersberghangs - Beschluss zur Umsetzung des Siegerentwurfs und Bereitstellung von Städtebaufördermitteln

i1348: Neugestaltung des Petersberghangs - Beschluss zur Umsetzung des Siegerentwurfs und Bereitstellung von Städtebaufördermitteln



Abgelehnt (1. Platz)

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Drucksache 1853/17

eingereicht von: Oberbürgermeister

Beschlussvorschlag

01
Der Stadtrat tritt der Entscheidung der Jury vom 17.08.2017 bei und beschließt die Umsetzung des Siegerentwurfs Franz Reschke Landschaftsplanung (Anlage 2) zur Neugestaltung des südöstlichen Petersberghangs.

02
Der Stadtrat beschließt vorbehaltlich der Bewilligung durch das Thüringer Landesverwaltungsamt sowie vorbehaltlich der haushalterischen Voraussetzungen die Bereitstellung von Städtebaufördermitteln für die Planung und Umsetzung der Neugestaltung des südöstlichen Petersberghangs in Höhe von 1.920.000 EUR.
 
 


Auswirkungen auf den Haushalt

Nachhaltigkeitscontrolling: Nein

Demografisches Controlling: Nein

Finanzielle Auswirkungen: Ja

Nutzen/Einsparung: Nein

Deckung im Haushalt: Ja

Verwaltungshaushalt Einnahmen/Ausgaben

Vermögenshaushalt Einnahmen

  • 2018: 255.000 EUR
  • 2019: 1.020.000 EUR
  • 2020: 357.000 EUR

Vermögenshaushalt Ausgaben

  • 2018: 300.000 EUR
  • 2019: 1.200.000 EUR
  • 2020: 420.000 EUR

Gesamtkosten: 1.920.000 EUR


Anlage


Sachverhalt

Beschlusslage

DS 0182/16 vom 21.09.2016 Auslobung eines Planungswettbewerbs zur Neugestaltung des südöstlichen Petersberghanges/ Bereitstellung von Städtebaufördermitteln

Zur Neugestaltung des südöstlichen Petersberghangs wurde die Durchführung eines nicht offenen Planungswettbewerbs gemäß RPW 2013 für eine Freiraumplanung unter Beachtung der vom Stadtrat im Verfahren bestätigten Grundzüge der Auslobung beschlossen.

Die Grundzüge der Wettbewerbsauslobung wurden in Folge sowohl mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Detail abgestimmt, als auch mit der Bevölkerung öffentlich diskutiert. Es ergaben sich aus Beidem keine wesentlichen Änderungsanforderungen, so dass die vom Stadtrat beschlossenen Grundzüge der Auslobung zum Grundgerüst für den Auslobungstext wurden.

Vorbemerkung

In den vergangenen Jahren und in Vorbereitung der Bundesgartenschau wurden zahlreiche Überlegungen entwickelt und erörtert, die die Verbindung des Domplatzes mit dem Petersberg über ein innovatives technisches Beförderungsmittel ("Aufstiegshilfe") zum Inhalt hatten.

Im Prozess konnte jedoch kein heute bekanntes technisches System zu vertretbaren Bau- und vor allem Dauerbetriebskosten zur Umsetzung vorgeschlagen werden. Um den jedoch ohne Frage gewachsenen Erfordernissen an die Erreichbarkeit des Berges gerecht zu werden, wurde weiter nach der notwendigen barrierefreien Lösung gesucht.

Zum Wettbewerb

In Folge wurde im Frühjahr des Jahres der o.g. Planungswettbewerb zur Neugestaltung des südöstlichen Petersberghangs ausgelobt (DS 0182/16). Die Planunterlagen waren bis zum 4.08.17 abzugeben. Die Preisgerichtssitzung fand am 17.8.17 im Haus der sozialen Dienste statt.

Insgesamt wurden 25 Teilnehmer*innen zur Teilnahme am Wettbewerb zugelassen. 20 Planungs büros forderten die Unterlagen zur Bearbeitung ab. Letztendlich wurden 14 beurteilungsfähige Arbeiten abgegeben.

Zu erkennen waren sehr vielfältige Lösungsvorschläge. Trotz der dann doch geringen Teilnehmerzahl wurden auch fast alle im Vorfeld diskutierten Lösungsansätze bedient und die Wettbewerbsjury konnte aus einem breiten Spektrum die optimale Lösung wählen. Die Bewertung der ersten fünf Arbeiten kann dem beigefügten Protokoll entnommen werden.

Das Wettbewerbsergebnis wurde öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung wurde von der Bevölkerung sehr zahlreich besucht. Es bietet sich an, die Arbeiten noch einmal der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Arbeiten der vier Preisträger sind in den Anlagen dieser DS angefügt.

An einer Broschüre über den Wettbewerb wird gearbeitet. In der Broschüre werden dann alle Arbeiten veröffentlicht. Die Broschüre soll in ausreichender Stückzahl gedruckt werden, so dass sie den interessierten Bürgerinnen und Bürgern ausgereicht werden kann.

Zum Siegerentwurf

Für den Siegerentwurf sprechen vor allem folgende Punkte:

  • Durch einen umfangreichen Abtrag des nach dem Bau der Tiefgarage in den 1990er Jahren wieder aufgeschütteten Erdstoffs im oberen Hangbereich wird die Hangfläche deutlich flacher als bisher und die Festungsmauern sind deutlich besser vom Domplatz aus sichtbar.
  • Es wird ein vollständig barrierefreier Panoramaweg mit einer 3% -igen Steigung geschaffen, der allen Nutzergruppen die Möglichkeit bietet, das Petersbergplateau selbstständig und ohne weitere Hilfsmittel zu erreichen. Dieser Weg eröffnet nach und nach im Anstieg immer neue Perspektiven auf die Altstadt und erschließt gleichzeitig den Petersberghang für unterschiedlichste Nutzungen.
  • Zusätzlich wird durch die breite, mit einem bequem begehbaren Steigungsverhältnis ausgestattete Treppe als „Schnellweg“ die notwendige geradlinige Verbindung zwischen Domplatz und Festungsfuß bzw. Aufzug hergestellt.
  • Über diese Treppe lassen sich auch die einzelnen Abschnitte des Aufstiegswegs erreichen, so dass der Besucher bei Bedarf den gewünschten Ruhe- oder Aufenthaltsraum auf dem Petersberghang auf kürzestem Wege erreichen kann.
  • Der Auftaktplatz der Wege (Panoramaweg, Schnellweg) liegt oberhalb der Verkehrsflächen an der Lauentorstraße und bietet dem Besucher einen relativ ruhigen Raum zum Verweilen vor dem eigentlichen Aufstieg. Durch die überhöhte Lage genießt hier der Besucher den ersten Blick auf den Domplatz. Er kann Treffpunkt für Auf- und Absteigende werden.
  • Der zweite Platz unterhalb der Festungsmauer dient als Ankunftsplatz und bietet die Möglichkeit, sich wiederum der Stadt zuzuwenden und diese aus einer weiteren Perspektive zu erleben. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich auf den Abstieg vorzubereiten oder aber auch auf den „Langsameren“ zu warten. Diese beiden Plätze wurden sehr positiv diskutiert und verbessern die Situation für Ungeübtere und mobilitätseingeschränkte Personen wesentlich.
  • Die Lösung ist zudem wirtschaftlich. Sie bietet auch bei der Weiterbearbeitung des Entwurfs die Möglichkeit, die Kosten über die Materialwahl zu steuern.
  • Der Hangweg wird in das Gelände integriert. Es kommt deshalb zu keinen wesentlichen Beeinträchtigungen der Blickbeziehungen. Gleiches gilt für den Auftaktplatz, der sich vorsichtig hinter der erneuerten Mauer ausbreitet und für den vom Domplatz auf den Berg Schauenden verborgen bleibt. Im Hangbereich selbst werden auch keine Störungen der Sichtbeziehungen verursacht. Es ist deshalb auch weiterhin von einer ungetrübten Betrachtung der Zitadellenmauern und des Hanges auszugehen.
  • Der Entwurf erfüllt alle in der Auslobung genannten Aufgaben und verspricht damit stadtstrukturell, die Wiederherstellung der bis zum Jahre 1664 vorhandenen und heute geforderten Treppenverbindung zwischen Stadt und Petersberg gewährleisten zu können.

Zum Umbau der angrenzenden Einmündung der Bechtheimer Straße

Die bereits in der Aufgabenstellung zum Wettbewerb benannte Option, durch einen kleinräumigen Umbau der Einmündung der Bechtheimer Straße in die Lauentorstraße den Vorbereich vor der Treppen-/Rampenanlage großzügiger zu gestalten, wird weiterhin verfolgt und bleibt Bestandteil der Gesamtmaßnahme. Sie ist jedoch nicht Gegenstand dieser vorliegenden Drucksache.

Aufgrund der anders gelagerten Abstimmungserfordernisse und des anderen Leistungsbildes bleibt dieser Umbau einer separaten Planung vorbehalten. Damit kann sichergestellt werden, dass keine zusätzlichen zeitlichen Risiken beim Umbau des Petersberghanges hinsichtlich einer Fertigstellung vor Beginn der BUGA 2021 entstehen.

Falls aus heute noch nicht absehbaren Gründen je der Umbau des Einmündungsbereiches erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich werden sollte als die Neugestaltung des Petersberghanges, ist dennoch gewährleistet, dass alle Verkehrsbeziehungen mit gewissen Einschränkungen auch bei einem Erhalt der heutigen Verkehrsanlagen abgebildet werden könnten.

Votum der AG „Barrierefreies Erfurt“

Am 23.11.2017 wurden der Arbeitsgruppe barrierefreies Erfurt die mit der Drucksache 1853/17 zur "Neugestaltung des Petersberghangs- Umsetzung des Siegerentwurfes und Bereitstellung von Städtebaufördermitteln" im Zusammenhang stehenden prämierten Planungen durch das Amt für Stadtentwicklung und -planung vorgestellt, insbesondere der Siegerentwurf sowie der 2. und der 4. Preis.

Die Arbeitsgruppe stimmte nach einer ausführlichen Diskussion der Neugestaltung nach Maßgabe des Siegerentwurfs zu. Das Votum der Arbeitsgruppe fiel dabei mit 15-0-0 Stimmen einstimmig zugunsten des 1. Preises aus.

Wesentliche Kriterien der Zustimmung waren der barrierefreie Weg mit der 3 %-igen Steigung sowie die vorgesehenen Plätze und Aufenthaltsflächen am Hang. Der ca. 600 Meter lange Weg wurde dabei nicht nur als Mittel zur Überwindung einer Höhendifferenz sondern vor allem auch als Aufenthaltsbereich gesehen, von dem aus man die Stadt aus verschiedenen Perspektiven neu erleben kann.

Naturschutzbeirat

Aus den Fachausschüssen wurde an das Fachamt der Wunsch herangetragen, dass der Naturschutzbeirat über die Maßnahme informiert wird. Die Aktennotiz ist als separate Anlage der DS beigefügt.

Keine Verbesserungsvorschläge